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Von E-Books und Microtransactions

oder: der Tag als John Scalzi, „The B-Team“ und mein Entsetzen aufeinandertrafen

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Neben dem für mich unschlagbaren Charles Stross (Singularität, Supernova) ist John Scalzi (Krieg der Klone) in meiner Top 3 der modernen Sci-Fi Authoren – wobei modern für den Satz signifikant ist, ein Vergleich mit Lem, Heinlein oder den Strugatzki Brüdern steht außer Frage, wäre aber auch unfair, das Genre hat sich mit der Zeit entwickelt, der Anspruch des Publikums ebenso. Seine Bücher glänzen durch eine fesselnde Spannung, am Besten kauft man gleich zwei oder drei Bände, und Scalzi’s Talent irrwitzige, tolpatschige und lächerliche Kommentare / Situationen in die Story einzubinden, ohne die eigentliche Story ebenfalls zu einer Comedy einbrechen zu lassen. Ein 2 in 1 aus Fun und guter Space Opera.

Soviel lediglich, damit auch der Unwissende ein Bild hat, wem ich gleich meinen verbalen Mittelfinger zeigen werde. Eigentlich ist das „wer“ unbedeutend, die Aktion ist das beklagenswerte… es tut nur mehr weh, wenn man selbst Liebe für die Arbeit des Akteurs übrig hat.

 

Gestern Nacht, in einem Gespräch mit Eram, wurde mir ein Buch empfohlen („The good fairies of New York“), welches somit auf meinem Merkzettel landete. Einmal vor Ort konnte ich dem Stöbern nicht widerstehen, wollte dringend noch 2-3 Fundstücke vermerken. Mein Hunger ist groß, ich lese meist zwei Bücher parallel. Dementsprechend schlug mein Herz höher, als ich über „The B-Team“ gefallen bin, ein neuer Scalzi? YAY!

Dann kam das Realisieren, in welchem Format der neue Roman veröffentlicht wurde, und mit ihm mein Entsetzen.

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Der Roman ist in dreizehn Teile zersägt worden, zur Veröffentlichung im wöchentlichen Turnus, als E-Book zu jeweils 64 Cent – günstig, nicht wahr? Oder? John Scalzi, hast du zuviel F2P Games gezockt? Ging dir dein Sohn auf die Nerven, dem du schon wieder einen DLC für sein neuestes Konsolenspiel zahlen solltest?

Einatmen. Hände falten. Ruhig ausatmen. Wahrscheinlich ist der Schuldige eher im Haus seines Publishers zu suchen, egal, ohne ein bekanntes Gesicht, auf das man mental einschlagen kann, werde ich meinen Frust nur leidlich los. Ergo: John Scalzi, WTF?
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Das übliche englischsprachige E-Book kostet vier bis sechs Euro, die Printversion sieben bis neun. Ihr wisst schon, keine Buchpreisbindung, die absurderweise in Deutschland auch für E-Books greift. Buchpreisbindung versus E-Books, ein anderes Thema zum Ausrasten, aber nicht heute. Mittlerweile dürfte jedem klar sein, was mein Entsetzen schürt, oder ist es zuviel von euch verlangt, 13×64 zu rechnen? Ein Roman. Dreizehn Microtransactions. Ein Endpreis von 8,32 Euro, der sehr vielen Fans und Kunden garnicht ins Bewusstsein dringt. Irgendwo reibt sich ein Marketeer die Hände: „Cool, wir verkaufen das E-Book zum Preis der Printversion.“ Ar*****ch.

Ich bin schockiert. Ein Bezahlmodell, das keinesfalls Schule machen darf, boykottiert werden muss. Ich bin mit Frust und Entsetzen geladen, gleich werde ich einen Spaziergang im Schnee machen, um meine innere Ruhe zu re-animieren.

Danach lese ich die letzten zwanzig Seiten der ersten Episode von „The B-Team“.
Ich bin so schwach.

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