
Roland als orientalischer Zombie…

und Steffi als Schulmädchenzombie auf einer angenehm-familiären Party bei Silke.
Als erstes fiel mir auf: die tolle Couch ist weg. Sie hat Sitzkissen und -bänken weichen müssen, vielleicht war sie einfach zu schwer und unhandlich – oder nahm zuviel Platz ein. Dafür ist mittlerweile die Bühne mit einem (künstlerisch wertvollen?) Veranstaltungslogo auf Gummimatte dekoriert und dazu Boden wie Bühne mit heimeligen Vorhängen bzw. Teppichen bedeckt. Das erzeugt eine angenehme Wohnzimmeratmosphäre, sehr passend gewählt für Auftritte von unentdeckten Künstlern.
Der Aufbau der Gesamtshow blieb auf der gewohnten Linie, obwohl sicher viele Besucher eine Veränderung erwartet hatten, nachdem auf der Website die Neuaufnahme von DJs ins Program angekündigt und man ins Wochenende umgezogen war. Ich erwartete Pausen zwischen den Auftritten mit DJ Einlagen und einen Umzug in das obere, etwas größere, Stockwerk (Platz für eine kleine Tanzfläche?). Tatsächlich gab es auch Musik in den Umbaupausen, aber der DJ wurde meines Wissens nach nicht angekündigt und so sicherlich kaum als Showbestandteil wahrgenommen. Die Musik war gut – aber ebenso unauffällig. Scheint so, als wolle man dem ursprünglichen Format treu bleiben, ganz sicher kein Fehler, es war auch dieses Mal ein amüsanter und abwechslungsreicher Abend.
Herausragend empfand ich am Freitagabend den Lesebeitrag über das Warten von Rike Reinau – einfach großartig! Dagegen, man möge mir die Kritik vergeben, wirkte die Geschichte von Anni kitschig-moralisierend und leider etwas abgegriffen, vielleicht auch nur, weil mir das Thema Kinderfängerei per Chatroom schon zu oft in den vielen Jahren Internetnutzung begegnet ist.
Sehr schön ist auch die Neuauflage der Homepage des Poetry Clubs geworden. Dort wird die Veranstaltung im November mit einer Aftershowparty angekündigt, kommt jetzt also doch eine Erweiterung des Konzepts? Legt dort ein “Open Stage DJ” auf oder ist das ein in Saarbrücken bekanntes Gesicht, bekannt vom Auflegen in diversen Clubs?
Ich werde es im November herausfinden…
Eine Bücherei besucht hat wahrscheinlich jeder von uns schon, zumindest sofern er gerne liest. Auch das Thema E-Books ist uns nicht mehr fremd, auch wenn die Mehrzahl der Lesebegeisterten in Deutschland das gedruckte Buch noch immer vorzieht. Aber wer von euch weiß, was ein lebendes Buch ist bzw. hat schonmal eines gelesen?
Tatsächlich kann man die lebenden Bücher aus Kopenhagen eigentlich nicht lesen, man muß sich mit ihnen unterhalten. Entstanden ist dieses Projekt, die Living Library, aus einer Initiative junger Dänen gegen Gewalt, nachdem einer ihrer Freunde in Kopenhagen Opfer einer Gewalttat wurde. Sieben Jahre nach Gründung der Organisation sollten sie sich im Jahr 2000 auf dem Roskilde-Festival präsentieren und engagieren, und zu dieser Gelegenheit wurde die Idee der lebenden Bibliothek geboren.
Ein lebendes Buch ist im Falle der Living Library ein Mensch aus einer Minderheit, aus einer bestimmten Szene, Volksgruppe o.ä., die üblicherweise mit Vorurteilen behaftet ist. Über das Projekt erhält man die seltene Gelegenheit sich mit eben jenen Personen zu unterhalten, sie wie ein Buch auszuleihen und in ihrer Lebensgeschichte per Gespräch zu lesen – um sich seinen eigenen Vorurteilen zu stellen und sie möglichst hinter sich lassen zu können. Das Buchprogramm reicht dabei von Alltäglichkeiten (Buchhalter, weiblicher Feuerwehrmann, Polizist) über die “üblichen” Randgruppen (Homosexuelle, Esoteriker, Ex-Gangmitglieder) bis hin zu Personen mit Extremerfahrungen (Krebskranke, Drogenkranke u.ä.).
Mittlerweile hat sich die Living Library zu einer reisenden Veranstaltung entwickelt, wobei nicht alle Events von der ürsprunglichen Organisation durchgeführt werden; das Projekt und die Idee wurde offen und kostenlos bereitgestellt für Jedermann, resultierend in Veranstaltungen an Universitäten, Schulen, sozialen Anstalten und auf Festivals auf der ganzen Welt. Im Jahre 2008 gab es Veranstaltungen in 27 Ländern, im Herbst und Winter 2009 konzentriert man sich vor allem auf die USA und Kanada, aber auch Veranstaltungen in Frankreich, England und Irland stehen noch an.
Im Grunde mutet das Konzept wie eine Talk-Show an, nur daß die Themen Lebensgeschichten von Menschen sind, die auch selbst zu Talkgästen werden, konfrontiert mit Besuchern der Veranstaltungen, welche gleichzeitig Talkgegenüber und Moderatoren stellen. So sie nicht zu schüchtern sind und bereit, sich ihre eigenen Vorurteile einzugestehen – nicht gerade eine Stärke der meisten Menschen…
Dummerweise werden die freiwilligen Besucher solcher Veranstaltungen zumeist den dort gebotenen Lerneffekt nicht mehr nötig haben, wen man aber dringend erreichen sollte, der wird sich höchst selten auf einem derartigen Event tummeln. Als Projekt an Schulen und Universitäten allerdings kann ich mir die Living Library sehr gut als sinnvoll vorstellen.
Zugegeben, etwas spät dran bin ich mit meinem Verweis in das Nachtleben, aber eine gute Stunde bleibt noch, bis der 3. Poetry Club – der letzte vor einer organisatorischen Pause im September – antritt um die Saarbrücker Nachtschwärmer zu begeistern. Den Auftakt in Juni verpasste ich leider, doch genügte damals die Resonanz auf das Projekt offenbar, um bereits vor der 2. Vorstellung eine Umstellung des Konzepts zu rechtfertigen: die Umlegung des Termins in den Freitag Abend, jeweils den ersten im Monat.
Das künstlerische Versuchsfeld der drei jungen Autoren Anni, Rike und Kay stellt sich dar als eine Bühne für ihre eigenen Texte, beim Vorlesen teilweise mit Sketcheinlagen aufgelockert, kombiniert mit dem Angebot einer Open Stage für jeden: Musiker, Gesangseinlagen, andere Autoren wie auch angehende Komiker. Die Bedingung sich für seinen Auftritt im Vorfeld zu bewerben wurde bereits vor der zweiten Vorstellung zwingend notwendig. Nicht nur das Publikum füllte den kleinen Raum im Modul inklusive Treppen, auch das Programm war voll, der Abend ausgefüllt von Komik, Lesungen, Gitarrensound und den viel bejubelten Beatboxern.
Wenn man wie ich den heutigen Abend verpasst, lohnt ein Vormerken des ersten Freitags im Oktober, die vierte Open Stage im Modul wird sich dann mit leicht erweitertem Programm präsentieren. Nachdem sich laut der Website des Poetry Clubs jetzt auch DJs für die offene Bühne bewerben können, erwarte ich ein abwechslungsreiches Nachtprogramm mit Auftritten verschiedenster unentdeckter Künstler im Wechsel mit tanzbaren Disco-Einlagen aufstrebender Plattentellerkünstler. Schließlich kann man das bisher begeisterte Publikum nicht zum warm-up ins Modul holen, um sie dann zwischen 23 und 24h mit dem bisher üblichen Ende der Show in die Nacht zu entlassen!
Ich zumindest bin tieftraurig, heute bei der Arbeit zuhause bleiben zu müssen. Wir sehen uns im Oktober, am ersten Freitag, im Modul.

Nur ein kurzer Hinweis auf das Feuerfels Festival, nahe Saarlouis auf der Teufelsburg:
Wir waren gestern dort und besonders von der Feuershow begeistert. Die wird am heutigen Samstag noch einmal wiederholt, nach den Auftritten diverser lokaler Mittelalter- über Gothic- bis Metalbands. Das Festival wird organisiert von der Societas Draconis aus dem Raum Saarlouis. Bei dem schönen Wetter heute gibt es keinen Grund, den heimischen Vertretern der Musikszene nicht die Ehre zu geben, zumal ein Mittelaltermarkt ebenso lockt wie ein leckeres Bier bei guter Aussicht auf der Spitze der Burg.
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