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Review zu „Into the Dead“

Casual „Zombie Noir“ von PikPok

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Into-the-Dead logoZombies. Laufen. Düstere Spätdämmerung. Laufen. Die Optik wirft Erinnerung an Renaissance auf. Laufen. Ich stolpere, suche hektisch nach Balance. Laufen. Widerliches, tief grollendes Stöhnen dringt in die Ohren. Laufen. Das Herz trommelt wider den Brustkorb, der Atem überschlägt sich. Laufen. Kettensäge – klassisch; milde Splatter-Komponente. Laufen. Kaum Sicht im Kornfeld. Maisblätter schlagen ins Gesicht, gierige Hände streifen die Schultern. Laufen, in den Wald, stolpern… kalte klammernde Hände, ein trauriges Ende am Waldboden. Geruch von Fäulnis und Tannennadeln. 3122 Meter.

Mein Kopfkino zum endless running game „Into the Dead“, veröffentlicht von PikPok auf iOS und Android – und verzeichnet laut Presse mittlerweile über 10 Mio Downloads. Das Thema Zombies ist nicht tot. Wie sein Inhalt erhebt sich die Form stetig aufs Neue aus ihrem Grab.

Into-the-Dead1
Vielleicht weil „Walking Dead“. Oder der stark „uncanny valley“-esken Züge der Zombies. „Into the Dead“ macht als casual game alles richtig: die simple, aber süchtig machende Mechanik von Temple Run geklaut, Download für kostenlos, Progress auch ohne reales Geld ok, die finsterliche Optik der späten Dämmerung darüber gestülpt. Diese „Zombie Noir“-Optik, gestützt von typischem Zombieächzen und rasendem Atem der Spielfigur, verleiht dem Titel Atmosphäre und – trotz seiner Nähe zu ähnlichen endless running Titeln – Eigenständigkeit. Unterstrichen vom klassischen Waffenarsenal: Kettensäge und Schrotflinte. MG. Granaten.

into-the-dead_08Die Zombie-Apokalypse ist über uns hereingebrochen. Du läufst verzweifelt durch die Zombierhorden davon, getragen von der Hoffnung zu entkommen. Tatsächlich ist dein Ziel aber möglichst viele Meter zurück zu legen, bevor dein Gehirn ausgelutscht wird, denn dein Ende ist unabwendbar. Du findest Waffen, erst eine Pistole, in späteren Missionen eine Kettensäge, eine Schrotflinte. BLAM! Wirbelnde Zombiefetzen befüllen dich mit der Illusion, du könntest ein sicheres Ziel erreichen. Tatsächlich kaufen dir die paar Patronen lediglich Sicherheit für ein paar hundert Meter.

Ich laufe automatisch. Ich kann ausweichen. Und eine brenzlige Situation mit der Shotgun entschärfen – so ich noch etwas von der knappen Munition übrig habe.

„Into the Dead“ ist simpel. Aber das macht nichts.
Sobald ich die aktuellste Highscore – angezeigt in zurückgelegten Laufmetern – erreicht habe, verdoppelt sich der Nervenkitzel, hektische links-rechts-Schwenker, nervöse Blicke zur Score, inklusive zahlreicher endknapper „wuuaaaahh-phewww“-Momente. Ich komme wieder. Und Morgen breche ich die Highscore meines Freundes Nensen, der Spanier glaubt doch nicht wirklich, er könne die Zombie-Apokalypse länger überleben als ich? Que passa!?!

Durch das Erfüllen von Zielen wie „Töte 10 Zombies in einem Lauf“ oder „Stelle einen neuen Entfernungsrekord ohne Extras auf“ schaltet man schrittweise neue Missionen und Spielmodi frei, und damit auch weitere Waffen. Lowbobs können nicht erreichte Missionsschritte auch mit Cash oder im Spiel verdientem Geld überspringen.

Je länger die überlebte Strecke, desto mehr Geld wird pro Mission verdient. Dieses Geld fließt in Extras wie „Starte mit einer Pistole“ und „Mehr Munition“, was deine Chancen inmitten geifernder Zombies enorm erhöht.

Into-the-Dead-Store
Soweit ich es überblicken kann, verdient man genug Geld um sinnvoll zu spielen, der Shop ist für Ungeduldige, etwa um Waffen vor Erreichen des jeweiligen Spielziels zu erhalten (Handgranate GIEV!); für 1,80 € kann man permanent die Werbung abstellen. Ich kann nicht umhin die Preise als „sehr fair“ zu bezeichnen. Bei der vorliegenden Spielqualität stört mich im „für umsonst“-Modus nichtmal die Vollbild-Werbeeinblendung nach jeder Mission.

Eine Warnung bevor ich es vergesse: in Sachen Steuerung dringend die Kippfunktion aktivieren, in rechts-links Taps verliert sich die Dynamik des panischen Ausweichens total. Dagegen glänzt die Kombination aus tappen zum Schießen und Kippbewegungen zum Laufen in einfacher, aber fesselnder Eleganz.

Plötzlich erwischt man sich dabei, wie der eigene Oberkörper sich mehr und mehr in die gewünschte Laufrichtung neigt, in der verzweifelten Hoffnung dadurch die Bewegung nach links oder rechts zu beschleunigen, während ein langezogenes „Aaaaaaaaaaaaaaaaaahneeeeiiiiiiiiinnn!“ durch deinen Kopf hallt… so simpel. So mitreißend.

P.S. Dezent USK-politisch unkorrekt, aber der Entwickler grüßt trotzdem fröhlich aus dem Fenster von Schloß Wolfenstein und winkt im Shop mit einem Skin-Pack für deine Gegner:

Into-the-Dead-Unlock-new-packs-of-zombies

Nazi-Zombies bashen? Rache für die Ekel aus Dead Snow!

Die Zombie-Apokalypse erwartet dich! Im Bus oder auf der Couch – während deine Freundin verblödet bei „Vampire Diaries“ ist es einfach angebrachter deine Aggression mittels Kettensäge an Zombies zu adressieren, nicht an Sie. Vergiss nicht: kommt es tatsächlich zur Zombie-Invasion, wird dir ein Partner der langsamer läuft als du noch richtig nützlich sein…

„Into the Dead“ von PikPok auf dein Handy oder Tablet ziehen:

google Playstore

iTunes Store / Apple

Na – plötzlich erscheint Laufen gehen viel attraktiver, nicht wahr?
Warum sagt man eigentlich “ich gehe laufen”? Paradox. Ich gehe lieber weiter zocken….

 

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One Response to “Review zu „Into the Dead“”


  1. Review zu Talisman Prologue « Carpe Pagina
    on Jun 3rd, 2013
    @ 21:22

    […] Tablet Games im CP Review: „Into the Dead“ – […]

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