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Blick ins Spiel: Forge of Empires / InnoGames

Plane und herrsche! Und poliere?!?!!

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Stadtplanung, Handel und Unterstützung der Nachbarstädte, Forschung, strategische Eroberung, taktische Kämpfe – Forge of Empires ist das neue Aufbau-Flagschiff von InnoGames („Die Stämme“, „Kartuga“), 2012 sogar nominiert für den deutschen Entwicklerpreis.

Bereits vor sieben Monaten veröffentlicht (trotzdem trägt der Ladebildschirm noch immer das „Beta“-Siegel?), konnte das Strategiespiel laut Entwicklerblog bereits nach einem Monat 1 Mio Registrierungen verbuchen, laut letzter News gewachsen auf 5 Mio im November. Tatsächlich aktive Spieler sind natürlich eine völlig andere – nicht veröffentlichte – Hausnummer, allerdings erscheint das DE Forum recht aktiv und in meiner Nachbarschaft wird fröhlich gebaut. Forge of Empires wurde in diversen Sprachen und Ländern veröffentlicht, unter Anderem in Korea.

Logo Forge of Empires

„Begleite deine Stadt durch die Jahrhunderte“ ist die treffend gewählte tagline von InnoGames, begleite du meine Stadt durch das Review, klick auf weiterlesen!

Update 23.01. – nach meinem Eintritt in eine Gilde vor 1 Woche und den ersten legendären Gebäuden in meiner Nachbarschaft erhöht sich der Fun Faktor um Einiges… 8/10


Stadtaufbau

Ich habe mittlerweile ca. 2,5 Monate gespielt und befinde mich seit knapp zwei Wochen im frühen Mittelalter. Nach einer Woche realisiert man einen ersten Schock: der Bauplatz ist relativ begrenzt, Erweiterungen muss man sich hart erkämpfen und mit Geduld erforschen (ich habe z.B. bisher 9 Bauplatzerweiterungen). Forge of Empires ist kein „Großstadtbau“-Titel wie Sim City oder Anno. Der positive Aspekt dabei ist die hohe Relevanz deiner Planungstrategie, möglichst effizient und platzsparend alle für deine Spielweise notwendigen Gebäude zu bauen.

Stadtansicht Forge of Empires

Eine riesige Box voller Lobeshymnen und Freudentänze geht an die Grafikdesigner. Hübsche und sehr ikonische Details runden die Gebäude ab, erhöhen den Wunsch Platz für ein Bauwerk zu schaffen, spätestens nachdem man es bei einem Nachbarn gesehen hat.

Taverne Forge of Empires

Hier zu sehen: schunkelnde Betrunkene, Zicklein und Badegäste – im Spiel natürlich animiert!

Die Ressourcenstruktur ist geradlinig: Wohnhäuser geben Gold und Einwohner, Produktionsstätten erzeugen Vorräte. Diese drei Ressourcen sind nötig um fast alle Gebäude zu errichten. Kulturgebäude und Dekorationen bilden eine Ausnahme, sie benötigen keine Einwohner und spenden Zufriedenheit… und jeder weiß, zufriedene Bürger sind fleißiger (hier um 20%)!

Desweiteren gibt es eine Vielzahl von Militär- und Gütergebäuden, welche wichtig sind für Eroberungen respektive Handel und Forschung.

Die Kostenverteilung ist gut strukturiert, auch wenn einige Gebäude meines Erachtens nach im Verhältnis zum Effekt zu teuer sind (im frühen Mittelalter bekomme ich außerdem mehr Gold als ich brauche). Die Ressourcenskalierung bei den Dekorationen steht allerdings in keinem Verhältnis zum Anstieg des Zufriedenheitsbonus, hier muss man für ein paar Pünktchen mehr tief in die Tasche greifen. Dafür ist’s hübsch, könnte man sagen, aber die allgemeine Ressourcenknappheit (positiv: erzwingt ordentliche Bauplanung) läßt wenig Raum für „nur hübsch“.

Vor einigen Wochen wurden schließlich legendäre Gebäude eingeführt, welche je nach Typ einzigartige Boni versprechen und mit Unterstützung deiner Nachbarn (Spenden von Material und Forge-Punkten) gebaut werden können. Auf meiner Welt 5 in meiner Nachbarschaft spielen die allerdings noch keine Rolle, ich hab noch keines gesehen (wohl aber ein paar Bauplanstücke ergattert).

Forschung & Handel
Die Forschung ist eng gefächert und relativ linear, erfüllt aber ihren Zweck, sie führt dich durch die Zeitalter wie etwa ein Skillbaum deinen Charakter in einem MMO durch die Level-Progression leiten würde.

Forschungsbaum Forge of Empires

Durch drei Faktoren wird der Forschungsfortschritt begrenzt, Ressourcen (Gold & Vorräte), Güter und Forge-Punkte bzw. Zeit (man erhält pro Stunde Realzeit einen Forge-Punkt). Forschungsziele werden durch Forge-Punkte erreicht und schalten Gebäudetypen frei, deren Baupläne jedoch mit Ressourcen und / oder Gütern gekauft werden müssen, damit sie errichtet werden können.

Hier kommt der Handel mit anderen Spielern zur Geltung, ich kann unmöglich alle notwendigen Güter selbst herstellen. Das Handelsfenster ist wunderbar simpel umgesetzt, bietet dabei aber eine breite Vielfalt an Optionen (so kann ich etwa Angebote nur für Gildenmitglieder sichtbar machen).

Handelsfenster Forge

Richtig interessant wird der Handel durch die Verzahnung mit dem Eroberungselement von FoE, da Spieler verschiedene Boni auf die Produktion bestimmter Güter erhalten, je nach eroberter Region (dieselbe Region auf der Karte von Spieler X gibt unter Umständen einen anderen Güterbonus als bei Spieler Y). Deshalb ist es ratsam für dich günstige Güter en Masse zu produzieren und dann Tauschandel zu betreiben.

Eroberung / „PVP“ Turniere
Für geneigte Eroberer wartet Forge of Empires mit einer schön gestalteten, riesigen Weltkarte auf. Eroberte Regionen geben einmalige Ressourcenschübe, permante Güterboni, schalten Bauplatz frei oder gewähren Zugang zu „PVP“-Turnieren. Alternativ zu Kämpfen ist es möglich mit dem jeweiligen Kriegsherrn um die Region zu verhandeln, mit Gütern. Dies eröffnet die Option, einen reinen Produzenten / Händler zu spielen.

Ich habe übrigens „PVP“ sehr gezielt in Anführungszeichen geschrieben, da die Auseinandersetzungen mit Spielern asynchron laufen, d.h. ich kämpfe zwar gegen dessen Armee, jedoch gesteuert von einer KI. Das passt zum Spielfluß und der Art des Spiels, unter PVP verstehe ich aber etwas anderes (nunja, dafür gibt’s ja Forge ohne „of Empires“, YAY).

Kämpfe können automatisch berechnet (garantiert verlustreich) oder gespielt werden, wobei taktische Vielfalt durch Geländeboni und Werte der Einheiten gegeben ist (z.B. ein Bonus gg. Leichte Einheiten usw.). Wunschträume von Strategen werden hier aber nicht erfüllt, König Katapult kegelt die KI zu leicht aus der Bahn.

Wichtig ist noch: wer im PVP auf die Plätze 1-3 hofft, sollte ordentlich Zeit mitbringen, mehrmals am Tag einloggen und genug Militärgebäude vorbauen. Hier hätte eine maximale Anzahl gewerteter Kämpfe pro Turnier nicht geschadet. So würde nicht nur das Zeitproblem gelöst, sondern auch Druck aufgebaut, da ich als ambitionierter Eroberer gezielt das Risiko harter Gegner ansteuern müßte (gibt mehr Punkte). In der Eisenzeit habe ich den zweiten Platz gemacht, nicht etwa wegen genialer Kampftaktik oder überlegenen Truppen, sondern weil ich einfach sehr oft online war und systematisch über alle schwächeren Nachbarn gerutscht bin, zu ca. 80% mit automatisch berechneten Kämpfen.
Klick, klick, win.

Diamantenfieber? FoE Cash Shop.
Ich bemühe mich darum die Preise aus der Sicht eines erfahrenen Spielers zu betrachten, obwohl ich sicherlich die PM-Brille nicht ganz loswerde. Bei aller Kritik gilt auch zu Bedenken: ohne Umsatz, kein Spiel.

Die klassische Frage vieler F2P Spieler ist sicherlich „Wie weit komme ich ohne Geld?“ – in Forge of Empires sehr weit. Nach etwa 2 Monaten Spielzeit besitze ich eine prächtige Stadt, habe fast der Hälfte der möglichen Forschung hinter mir und zweimal den 2. Platz im Turnier belegt. Für umsonst. Im späteren Spielverlauf könnte ich mir aber vorstellen, daß ein Spieler mit fertig gekauften legendären Gebäuden gerade bei Turnieren gute Vorteile erzielt. Allerdings erreicht man diese Ebene erst nach geschätzt 3-4 Monaten Spielzeit und kann ein solches Gebäude für 18 € kaufen (eher günstiger, da man wahrscheinlich 2-5 Planstücke bereits ergattert hat); ergo: wer so lange umsonst Spaß am Spiel hatte, darf ruhig Mal 15 € liegen lassen.

Was gibt es sonst noch tolles für’s Geld? Erstmal zu sagen: Finger weg von der Rakete. Damit meine ich den goldigen Button unter den Questmarkern. „Verdoppelt alle Produktionen und gibt 20% Rabatt“ heißt es da. Rabatt auf was? Und wie lange verdoppelte Produktion? Einmal? X Stunden? Keine Ahnung. Der Diamantenpreis (= Echtgeldwährung) skaliert mit der Anzahl vorhandener Produktionsgebäude, soweit so logisch. Dummerweise sprengt die Skalierung jeglichen Rahmen, nach fünf Stunden Spielzeit lag mein Stand über 400 Diamanten, im Moment stehe ich bei 720 (im 20 € Paket sind 100 Diamanten etwa 1 €). Stolzer Preis für eine unklare Beschreibung.

Arena Manche Gebäude können ebenfalls nur für Diamanten gebaut werden, sie tauchen im Gleichschritt mit fortlaufender Forschung im Baumenü auf. Das sind immer sehr schöne Bauten (z.B. Arena, Siegessäule) mit fettem Mehrwert im Vergleich zu ähnlichen Bauten aus der Epoche. Dadurch können sie in Hinsicht auf Nutzen gut den nachfolgenden zwei Epochen standhalten, plus Prestigeeffekt. Kostenpunkt je nach Gebäude 200-400 Diamanten. Gefühlt sind 200 absolut in Ordnung, meine persönliche Schmerzgrenze liegt hier bei 300, mehr würde ich nicht ausgeben.

Sehr fair finde ich die Preise für Güterkäufe, etwa wenn 3 von 10 Stoff o.Ä. fehlen, und die persönliche Geduld gerade versagt (oder das Gut seit Tagen nicht gehandelt wird). Das Zukaufen fehlender Vorräte ist ebenfalls günstig, aber… im Moment des Schreibens kostet mich das Nachkaufen von 4400 Vorräten für Forschung 1 exakt 60 Diamanten, bei Forschung 2 fehlen 2400… und die würden mich ebenfalls 60 Diamanten kosten? De fakto scheint hier gar keine Skalierung vorzuliegen, ergo shoppen, wenn man gerade total blank ist. Check.

Ein Schnäppchen für Strategen und Eroberer: der 5. Slot in Militärgebäuden. Soweit ich das überblicken kann kostet er konstant über die Epochen 50 Diamanten. Das ist später verhältnismäßig sogar günstiger als den 4. Slot für Ressourcen frei zu kaufen, der enorme Wert einer zusätzlichen Einheit wird schnell klar, wenn man aktiv versucht ein Turnier zu gewinnen. Anders ausgedrückt: wenn ich verantwortlich gewesen wäre, hätte ich es doppelt so teuer gemacht.

Weitere Preispunkte überlasse ich an dieser Stelle eurer eigenen Beurteilung, eine vollständige Auseinandersetzung mit dem Pricing würde den Beitragsrahmen sprengen (der Abschnitt ist ohnehin schon zu lang geworden…).

Ein Appell zum Abschluß dies Kapitels:
Das Spiel ist schön und aufwendig gemacht. Seine Weiterentwicklung und Betreuung kostet Geld und Menschen investieren viel Mühe in den Titel. Ein paar Euro investiert in Diamanten zeigen eure Anerkennung für diesen Aufwand (und FYI nein, ich arbeite nicht bei InnoGames).

Social Media & die App
Eigentlich für Facebook Games typische Elemente scheinen über 2012 auch im Browser Popularität gewonnen zu haben, etwa bei Goblin Keeper (Gameforge), oder auch hier, in Forge of Empires. Aus einer Social Bar am unteren Bildschirmrand strahlen fröhlich die Gesichter der Nachbarschaft (inklusive Ranking), auf daß ich ihnen mit einem Klick einen Besuch abstatten möge – wahlweise der freundlichen oder aggressiven Art.

Socail Bar Forge of Empires

Ein Tooltip verrät mir, in welcher Gilde Herr Nachbar sich befindet und welche Güter er gerne tauschen würde, ein Klick auf sein Konterfei transportiert mich in seine Stadt. Dort kann ich nicht nur seine Baukunst bestaunen, sondern auch – wer hätte es gedacht – seine Gebäude polieren bzw. motivieren (das steigert die Produktivität der Einwohner bzw. des Gebäudes).
Forgeville. Urgs. No like.

Jaja, das Feature ist von der Struktur her schön implementiert, keine Frage. Das soziale Miteinander fördert es aber kaum – ich habe in 2 Monaten kein einziges Wort mit meinen Nachbarn gewechselt. Ich schleiche mit Nachtmittags mit einem Lappen an ihre Statuen, und sie huschen stumm Abends an meinem Triumphbogen vorbei. Polieren, kkthxgbye. So sind die Menschen eben. Direkt ansprechen funktioniert besser.

Ich vote eindeutig für ein neues Gebäude – die Botschaft. Der hauseigene Botschafter poliert täglich fünf zufällig gewählte Gebäude in der Nachbarschaft. Die Chance ausgewählt zu werden erhöht sich um ein paar Prozent, wenn man selbst eine Botschaft betreibt und / oder beim Bauherrn in den letzten 24 Stunden poliert hat. Sozialer Automatismus FTW.

Laut Interviews und ähnlichen Ankündigungen seitens InnoGames wird es irgendwann auch eine App zu Forge of Empires geben, ähnlich wie zu den Titeln „Die Stämme“ und „Grepolis“. Man darf also gespannt sein ob man mit der App nur handeln, forschen und polieren kann, oder alle Funktionen des Spiels erreicht (was toll wäre, aber signifikant mehr Aufwand). Die Grepolis App etwa bietet zwar alle relevanten Funktionen, aber keine Landkarte, nur Menüs – fürs Handy ok, auf dem Tablet etwas öde, mir fehlt das optische Schmankerl.

Round up

Trotz Kritik an manchen Teilen der Preisgestaltung und der Poliererei, gehört Forge of Empires zu den wirklich spielwerten Strategietiteln im Browser, sonst wäre ich schon längst ausgestiegen. Das Artwork ist großartig (die Vorfreude neue Gebäude zu entdecken bildet für mich einen elementaren Part der Langzeitmotivation) und der Planungsaufwand genug, um die gesuchte Zerstreuung zu finden. Ob es sich mit „Anno Online“ (Bluebyte) messen kann, werden wir in den kommenden Wochen herausfinden.

Subjektive 7 von 10, ich persönlich würde lieber öfter und mehr Gebäude bauen auf größerer Fläche und finde leider keinen Spaß am Kampfsystem.

Interesse? Forge of Empires – Jetzt mitspielen!

Gute Reise durch die Jahrhunderte, und nicht vergessen: in Welt 5 brav Ur’Amelatu besuchen und polieren, polieren, motivieren!

 

 

 

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3 Responses to “Blick ins Spiel: Forge of Empires / InnoGames”


  1. Marcus
    on Feb 7th, 2013
    @ 16:59

    Das ist echt ein tolles Spiel! Ich spiel es jetzt seit einem Monat und bin schon süchtig. Ich finde toll die einzelnen Zeitalter zu durchlaufen und den Vorschritt zu sehen. Aber das steht ja hier in dem Text auch alles sehr gut beschrieben drin 😉 Ich bin noch durch ein anderen Testbericht zu Forge of Empires darauf aufmerksam geworden, wo das Onlinegame auch sehr gut abgeschnitten hat.


  2. Roland
    on Feb 7th, 2013
    @ 19:44

    Hallo Markus,
    trotz meiner Aversion gegen das Polieren spiele ich auch immer noch. Seit ich in einer Gilde bin, ist das Spiel noch etwas gewachsen, zum Besseren.
    Die Tage schreibe ich wieder etwas dazu, da der Gildenbeitritt den Blickwinkel aufs Spiel doch stark geändert hat.

    Viel Erfolg dir (und komm polieren .-P)!


  3. annechen
    on Mar 28th, 2013
    @ 12:15

    tolles spiel und echt gute beschreibung muss man sagen!
    was vielleicht nch interessant ist, forge of empires wurde zum besten strategiespiel 2013 erklährt. 😀

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