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To Reakktor Media with love

- und an Gamigo voller Hoffnung...

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Nach all den Jahren der “Orks & Elfen”-Dominanz im MMO Sektor, beobachten derzeit viele MMO-Spieler gespannt die Entwicklung von Titeln wie Earthrise, Jumpgate Evolution, und nicht zuletzt des grafisch bombastisch anmutenden Titels Black Prophecy.

Die bereits erschienenen Titel konnten zumindest mich leider nicht überzeugen: Global Agenda bedient die FPS-Wütigen unter uns zwar hervorragend (außerdem legendär: die Marketingkampagne “No Elves!”), wartet allerdings lediglich mit einem schwachen Hintergrund auf, Star Trek Online spielt sich extrem zäh, und Fallen Earth ist schlichtweg unkomfortabel und dermaßen sandbox-lastig, daß man leicht in seiner Ziellosigkeit den Spaß verliert.

Umsomehr wurde der Zusammenschluß von Reakktor Media und Gamigo, als Publisher für Black Prophecy, mit Zweifel und dem Ausruf von Befürchtungen quittiert, in der allgemeinen MMO-Szene wie auch in den Foren auf blackprophecy.com. Das Schreckgespenst heißt: free to play (F2P).

Dies wird ein hoffnungsvoller Ruf an Gamigo wie Reakktor Media, auf daß Black Prophecy nicht nur ein geniales Spiel werde, sondern uns Spieler auch mit einem fairen Bezahlsystem beglücke. Dies ist auch ein kurzer, zusammengepreßter Blick auf die F2P-Szene, wie sie sich für mich in den letzten Monaten gezeigt hat. Sollte sich eine meiner Ansichten als unwahr herausstellen… gratuliere ich hiermit der entsprechenden Marketingabteilung bzw. den Bloggern, die mir ergo offensichtlich ihre Meinung aufgestempelt haben.

Status Quo

Was ist der Grund für den Aufschrei der Fans?
Das Geschäftsmodell F2P hat sich in den vergangenen Jahren in der MMO-Szene einen wenig populären Ruf eingehandelt, nicht ohne Grund. Asiatische F2P Titel sind berüchtigt für ihren enormen Grindfaktor, zahllose Cash Shops / Item Malls von F2P Spielen überzeugen einzig durch ihre überzogenen Preise und / oder liefern zahlenden Spielern immense Macht-Vorteile im Spiel, nach dem Prinzip “je reicher der Spieler, desto unbesiegbarer sein Avatar für Normalspieler”.

Berichte geistern durch das Web, nach denen sorglose Käufer innerhalb von 3-4 Monaten Beträge von 500€ bis zu über 1000€ in Spielen wie Runes of Magic oder Jade Dynasty versenkt haben. Natürlich bedingt durch einen persönlichen Mangel an Selbstkontrolle – dennoch erschreckend.

Andere Titel glänzen im negativen Sinne mit Bezahlmodellen ähnlich einem “pay as you go”-System, so daß Vielspieler verstärkt zur Kasse gebeten werden. Das klingt auf den ersten Blick fair. Aber wie kann es richtig sein, einen extrem loyalen Spieler auch extrem zahlen zu lassen? Und wer von uns ist schon bereit, soviel für sein Lieblings-MMO auszugeben, daß er sich stattdessen auch jeden Monat ein neues Spiel samt Box leisten könnte? Hier klafft eine Lücke zwischen Preis und Leistung, oder anders ausgedrückt: die Option eines Abos fehlt. Ein treuer Vielspieler wird mit hohen Kosten bestraft.

F2P im positiven Licht

Vorneweg: free to play ist allein schon deshalb ein günstiges Angebot, weil man ohne Geldaufwand jederzeit ein neues Spiel ausprobieren kann, viele Titel lassen sich sogar ganz ohne Kosten durchgehend spielen – wenn auch mit dem Nachteil gegenüber zahlenden Spielern nicht konkurrenzfähig zu sein oder Teile des Endkontents nicht erleben zu können. Doch bleiben wir realistisch, Softwarestudios sind Firmen, und bezahlen ihre Mitarbeiter, weshalb es auch nur richtig ist, Kostenfaktoren in F2P Titel zu integrieren.

Mit etwas Umsicht findet ein Wenigspieler (etwa 2-8 Stunden / Woche) auf dem großen Markt der F2P Spiele für seinen Spielstil günstige und gute Angebote, die Gefahr sich in einen geldfressenden Titel zu verlieben bleibt aber groß, die wirklich fairen Angebote sind rar.

Um eines dieser fairen Angebote als Beispiel heran zu ziehen, betrachten wir Dungeons & Dragons Online (US Version). Im Sommer 2009 wurde dort von einem P2P System (pay to play = monatliche Gebühr) auf F2P umgestellt, wobei die Option der monatlichen Festgebühr zusätzlich beibehalten wurde. Mit dieser Kombination wurde nicht nur der neu angestrebte “free to play”-Markt erobert (im Februar 2010 erreichte Turbine 1 Million neuaktivierte Accounts seit der Umstellung), sondern auch dem Dauerspieler weiterhin eine Möglichkeit geboten, sorgenfrei das gesamte Spiel zu genießen. Desweiteren punktet Turbine mit angemessenen Preisen und einem fein ausbalancierten Cash Shop (z.B. keine extrem starken Power-Ups / Gegenstände). Zusätzlich erhalten Abo-Kunden monatlich kostenfrei Turbine Points, mit denen sie ebenfalls im Cash Shop einkaufen können, womit eine weitere Lücke zwischen F2P- und P2P-Kunden geschlossen wird.

To Reakktor Media with love

Es ist offensichtlich, ich schreibe hier, weil ich Black Prophecy für ein großartiges Spiel halte, für den heißen Traum aller ehemaligen Wing Commander, X-Wing, Elite und Forsaken Spieler. Seine Qualitäten (Grafik wie auch Marketing – siehe “Stellarvox Veritas”) werden viele MMO-Spieler laut AAA ausrufen lassen. Gerade deshalb ist die Furcht vor einem unausgewogenen Cash Shop groß. Zuviele Titel haben es falsch vorgemacht.

Und dennoch, wir sind bereit zu hoffen. Auf eine faire Gestaltung der Preise. Die meisten von uns können rechnen.

Sprecht offen mit uns, euren Fans, über die Einführung und Gestaltung des Cash Shops. Darüber was ihr uns bei Veröffentlichung des Spiels vorsetzt und was uns in Zukunft erwartet. Überfahrt uns nicht Monate nach dem Launch mit teuren Endgame-Artikeln, nicht nachdem wir bereits süchtig sind und begonnen haben, uns an geliebten Avataren festzuklammern.

Gestaltet die Möglichkeiten im Spiel, um den Kauf mancher Gegenstände zu umgehen, nicht überdimensional zeitraubend. Natürlich muss ein gewisser Aufwand dahinter stehen, sonst würdet ihr euren Shop ad absurdum führen, aber kaum ein Spieler wird tagelange Grindsessions begrüßen. Wie wäre es dagegen mit zwar zeitfressenden, aber spielerisch fordernden Missionen? Statt 1500-3000 erbärmlich schwache Raumpiraten in der Hoffnung auf seltene Drops zu jagen? Und: bitte die entsprechenden Missionen kennzeichnen, gut zugänglich halten.

Gerne kaufen wir Erfahrungsboosts (wenn die Zeit / Lust zum leveln fehlt), aber auch ohne sie darf das Aufsteigen meines Raumpiloten nicht extrem zäh wirken.

Ich halte es für angemessen, ähnlich dem System von Global Agenda, die Bauberufe (crafting) ganz oder nur teilweise mit Kosten zu verbinden. Allerdings in einem gewissen Rahmen, etwa über monatliche Pauschalen (z.B. eine Art Zugangsschein für Fabriken o.ä.). Die gebauten Gegenstände / Upgrades könnten somit von Spielern, die nicht real zahlen, im Spiel gekauft werden; wenn ich aber einem Freund sagen muss, ich könne ein Upgrade nicht für ihn bauen, da es mich weitere 2 € kostet, fühle ich mich geprellt. Eine Summe von 3-5 € pro Monat dagegen für die Option X Gegenstände herstellen zu dürfen, klingt fair. Nur ein Beispiel.

Meiner Erwartung nach wird es in eurem Shop nicht nur vanity items geben, die optische Verbesserungen für meinen Raumjäger bieten, sondern auch echte Upgrades für das Schiff, die Auswirkungen auf meine Stärke im Spiel haben. Das ist durchaus in Ordnung (wir haben euer Versprechen gehört und können diese Upgrades auch erspielen), denn auch wer wenig Zeit hat, kann auf diese Weise im Spiel mithalten. Gefährlich aber wird es bei starken Upgrades, hohen Leistungssteigerungen, zu hohen Preisen. Niemand möchte das Gefühl haben, in einer PVP-Schlacht besiegt worden zu sein, nur weil er selbst sich das 25 € Upgrade nicht leisten kann. Solcherart nach oben offene Verbesserungssysteme sind sehr beliebt bei Publishern / F2P-Entwicklern, ich verweise etwa auf die Runen von Allods Online. Wir Spieler hassen diese Geldgrab-Systeme.

Die Konkurrenz im P2P-Bereich ist stark, selbst wenn sie nicht das gleiche Gameplay aufbieten kann. Viele potentielle Spieler werden rechnen – und nicht bereit sein 25-30 € auszugeben für ihre monatliche MMO-Dosis, wenn sie in einer anderen Welt für 13 € pauschal und ohne Grenzen ihrer Vorliebe nachgehen können. Je nach Gestaltung eures Cash Shops, ist das Zusatzangebot eines “all inclusive”-Abos vielleicht die einzige Möglichkeit, Hardcore und Vielspieler auf Dauer zu halten. Manchem werden in den ersten 2-3 Monaten ein paar Euros mehr nicht auffallen – sobald aber die erste Euphorie etwas abflaut, wird die Vernunft mit jeder Woche lauter.

Und: “must have” – Erweiterungen, wie etwa Lagerraum für Upgrades (das bekannte Bankfach), sollten keinesfalls abschreckend teuer sein. Sicher, das ist verführerisch, schließlich kann man davon ausgehen, daß der Großteil aller Spieler sie kaufen wird. Aber gerade deshalb werden sie zu euren Aushängeschildern. Die Grundversorgung günstig halten ist mehr als nur Werbung für den Cash Shop und den Titel, es macht euch sympathisch. Es schafft Vertrauen. Ein Vertrauen, welches bei vielen von uns in weiteren Einkäufen münden wird.

Und natürlich: wir mögen Transparenz. Wieviel Einfluß hat Gamigo auf das Spiel? Wieviel Entscheidungsgewalt mußtet ihr an Gamigo abtreten? In welcher Form und welchem Zeitintervall sind Spielupdates zu erwarten? Etc. – das interessiert uns brennend, weil unsere Vergangenheit bei anderen Spielen manchem von uns böse Wunden geschlagen hat. Erste Schritte habt ihr mit eurer Fragerunde im Forum gemacht.

Aber gedenken wir doch kurz auch den Vorzügen des F2P-Modells: keine Fixkosten, sondern Kosten nach meinem Belieben. Keine Kosten während ich eine Pause mache oder in Urlaub bin. Gut besuchte Weltraumsektoren voller kampfwütiger Spieler statt ein leeres Universum. Ein stetiger Strom an Nachwuchspiloten. Eine kostenfreie Probe des Gameplays, soviel und solange ich möchte.

Wir alle hoffen, daß Gamigo und Reakktor Media ihre Chance nutzen, dem Ausdruck F2P zu neuem und gerechtfertigtem Ruhm zu verhelfen. Wir legen unser Schicksal, das Schicksal unserer Raumpiloten, in eure Hände!

Update (gerade gefunden): auf Youtube gibt es eine über 25 Minuten lange Gameplay-Vorschau zu Black Prophecy!

Links:
Black Prophecy HP
Stellarvox Veritas (BP Hintergrund aufgefaltet in Berichten)
Gamigo

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4 Responses to “To Reakktor Media with love”


  1. Ramoniac
    on Mar 23rd, 2010
    @ 06:21

    EIn sehr schön verfasster Artikel, sowohl inhaltlich als auch von der Schreibe her.
    Exakt so solltest du das in deren Forum posten und evtl auf diverse MMO Fan Pages.

    Mfg
    eramino


  2. Roland
    on Mar 23rd, 2010
    @ 23:21

    In deren Forum läuft gerade wie verlinkt eine hübsche Fragerunde – ich bin gespannt wann die Antworten veröffentlicht werden.

    Ob und wie und wann ich den Post weiter verlinke… hmm Mal sehen.

    Update: hab mich im BP Forum verlinkt.


  3. Roland
    on Mar 25th, 2010
    @ 15:02

    Outtake aus dem BP Forum:
    http://forum.blackprophecy-game.com/showthread.php?t=1236&page=2

    “Ich glaube viele Leute sind in der Vergangenheit von F2P Anbietern geprellt worden und deshalb weniger bereit zu zahlen.

    Auf einer ganz anderen Linie laufen viele andere: sie haben die unrealistische Ansicht, F2P würde wirklich vollkommen kostenlos bedeuten und vergessen dabei den Aufwand der Entwickler, laufende Kosten usw.

    Es ist ja auch tatsächlich so, daß das Konzept vielerorts bedeutete: sehr wenige Extremzahler, horrend viele Nicht- oder Wenigzahler.
    Sozusagen in den Startlöchern erst ist die Version: viele zahlende Spieler auf einem fairen Kostenniveau. Und wir hoffen ja alle, BP in dieser Sparte bei release wieder zu finden. Wenn dem so sein wird, liegt es an der Community, diesen Schritt der Entwickler / des Publishers als richtig zu bestätigen, sprich in angemessenem Kostenrahmen auch wirklich einzukaufen. Nur so sichern wir uns auch Updates / Addons / Patches und den Fortbestand des Spiels in einem schönen Verhältnis zwischen Community & den Geschäftspartnern (Reakktor & Gamigo).”


  4. Roland
    on Apr 4th, 2010
    @ 20:18

    Interessant dazu ist auch das Interview mit Kirk Lenke von BP:
    http://www.gamingxp.com/newsview-22788-black_prophecy_video_interview_mit_kirk_lenke.htm

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