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Conorga 101 – Teil 1

- eine Art Tagebuch zur Planung unseres Cons

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Willkommen bei Conorga 101 – meinem Webtagebuch betreffend die Organisation unseres Liverollenspiel-Phantasy-Cons. Leitfäden und Hilfen, Tipps und Tricks wie man selbst ein erfolgreiches Con organisieren kann gibt es sicher bereits viele, und wir wollen auch nicht wirklich einen neue und bessere Vorgehensweise vorstellen, sondern den Verlauf unserer Planung und Organisation dokumentieren. In der Hoffnung Nähe zu unseren Spielern / NSCs aufzubauen, Probleme und Lösungen aufzuzeigen, regen Austausch mit anderen Conorgas zu erzeugen – ich hoffe ihr findet hier Anreize für eure eigenen Veranstaltungen oder bewahrt uns vor Fehlern, die ihr bereits gemacht habt. Fühlt euch eingeladen zu kritisieren oder Tipps zu geben, per Kommentar oder Mail (carpepagina@googlemail.com).

Ein langer Weg oder wie es zum Entschluß kam, ein Con zu machen:

Ich spiele Larp seit 1997, als passionierter Spieler, ich mochte es nie NSC zu sein (dennoch habe ich es 5-6 Mal versucht, zuletzt auf Epic Empires ’09), allein schon aufgrund der Diskontinuität (nach dem Con wird der Charakter zwangsläufig eingemottet bis zum nächsten Con derselben Orga) oder – noch schlimmer – dem Zwang mehrmals am Tag sprunghaft die Rolle zu wechseln. Erste SL-Erfahrungen hatte ich bei Fantasiewelten, als Magie-SL auf Alcyon 1-4 und Miranda, bei zwei oder drei Bohemia-Teilen. Nach der Trennung vom Fantasiewelten-Team (top Entscheidung, so konnte ich fortan als Spieler auf ihre wirklich guten Cons gehen…) war ich mir sicher, das Thema SL sei für mich erledigt und ich würde auf ewig dem wunderbar stressfreien und zwanglosen SC-Dasein huldigen…

… ich habe mich geirrt.

Nach einer dreijährigen Larp-Pause (2005 – 2007 einschliesslich) brauchte ich eine Weile, um wieder voll einzusteigen in eine teilweise altbekannte, teilweise stark veränderte Larp-Szene (Stichworte: Orks, gefühlt stark angestiegene Popularität von Keltencons, Großcons mutierten zu festivalähnlichen Veranstaltungen etc.). Dabei ertappte ich mich allzuhäufig beim Beurteilen von Magie-SLs (à la “wie hätte ich das gemacht?”), und beim Erfinden von kleinen Plotsträngen betreffend Charaktere, die ich neu kennelernte oder wiederfand. Im Winter 2008 sprach ich zum ersten Mal mit Freunden über die Idee, ein eigenes Con zu veranstalten, denn dummerweise hatten sich diverse Einzelgedanken und Ideen verkettet und wuchsen langsam zu einem Gesamtkonzept zusammen. Aber ich kenne mich selbst gut genug um zu wissen, daß ich leicht für etwas zu begeistern bin, und zuweilen verfällt diese Begeisterung nach einigen Wochen mit dem Negativeffekt jetzt vor bereits eingegangenen Verpflichtungen zu stehen: ergo habe ich mich davor gehütet mehr als nur mündliche Vereinbarungen zu treffen. Jetzt – ein Jahr später – ist die Begeisterung immer noch da, zementiert und beflügelt von immer neuen Ideen und Notizen betreffend Hintergrund, Plot und NSC-Charaktere. Meine Freundin hat sich freiwillig verpflichtet Masken zu basteln und zu schminken. Freunde, die bereits SL in anderen Orgas sind haben zugesagt als SL / Orga mitzuwirken.

Lange habe ich mich vor der endgültigen Entscheidung gedrückt, über Pflichten und mögliche Probleme nachgedacht und diskutiert. Ende Oktober faßten meine Freundin und ich endlich den Entschluß es zu versuchen. Jetzt scheitert es nur noch an höherer Gewalt oder der Rückmeldung unserer potentiellen Mit-SLs, die in diesen Tagen eine Plot- und Hintergrundzusammenfassung zur Kritik erhalten.

Allgemeine Gedanken zur Conphilosophie:

Meine erste Weisheit, die eigentlich keine ist, da es sich um einen offensichtlichen Punkt handelt:
Versucht nicht, den gesamten Plot und Hintergrund alleine zu stemmen. Ich halte es zwar für wichtig einen Hauptschreiber zu haben (gilt möglicherweise nicht für alle Convarianten), aber die Meinung und die Ideen aller Beteiligten sind unersätzlich wertvoll. Vor allem wenn man bestrebt ist, den Hintergrund konsistent zu gestalten. Zumindest mir sind erst bei Gesprächen über unzählige Zusammenhänge einige Unklarheiten und Probleme aufgegangen. Ausserdem: das Thema “Ein Con veranstalten” ist immens komplex und aufwendig – selbst wenn ich selbst schreiben, schneidern und schminken könnte, würde ich niemals auf die Idee kommen, alle Fäden selbst ziehen zu wollen. Macht euch mit dem Gedanken vertraut, in der Planung, Vorbereitung und auf dem Con Verantwortlichkeiten an Mitglieder eurer Orga abzugeben.

Das klingt vielleicht nicht erwähnenswert, aber die Realität spricht andere Worte: zu oft habe ich als Spieler erlebt, wie wir (mitunter 1-3 Stunden) auf eine bestimmte SL warten mußten, weil nur sie einen Plotstrang / ein Ritual betreuen konnte, aber gerade an eine weitere Spielergruppe gebunden war. Mehrmals scheiterten gut geplante Aktionen am Fehlen der richtigen SL zur richtigen Zeit. Einmal starb einer meiner Charaktere, weil zwei Magie-SLs verschiedene Ansichten vertraten und ich die “falsche” für mein Ritual erwischt habe…
…um dem entgegen zu wirken, sollten alle SLs wenigstens in Bezug auf die contragenden Plots voll handlungs- und entscheidungsfähig sein. So möchten wir es einrichten, Präventivplanung gegen die Situation “ihr müßt warten bis SL XYZ aus dem Wald zurück ist”.

Höchst interessant in Sachen Vorplanung fand ich auch “Plotplanung und Handlungsgestaltung” (von Gregor Knape, in “Larp, hinter den Kulissen”, Zauberfeder-Verlag), worüber ich bei Recherchen zum Thema gestolpert bin. Auch Gregor verweist in seiner Einleitung auf die offensichtliche und (hoffentlich) jedermann bekannte Logik hinter seinen Ausführungen, nichtsdestotrotz beweist die erlebte Realität (schon wieder?), daß viel weniger Wissen Allgemeingut ist, als wir uns wünschen. Etwas Railroading schadet dem Con sicher nicht (Stichwort: Konsistenz), aber wünschen wir uns nicht alle freie Spieler zu sein, statt Statisten in der Geschichte der Spielleitung?

Wir wollen versuchen, unseren Plot möglichst offen zu gestalten, möglichst viel Potenzial für freie Entscheidungen liefern. Dennoch wird es unweigerlich Einschränkungen geben, lokale Umstände, vorgegeben durch den bespielten Hintergrund. Das läßt sich nicht vermeiden, wenn man Spieler in Kontakt mit einigen Ortsansässigen (Ambiente-NSCs) bringen will. Ein einfaches Beispiel (ohne Bezug zum Con) wäre ein Spieler als Soldat in einer Armee. Natürlich könnte er desertieren (Freiheit zur Ausnahmereaktion), aber in Anbetracht der Konsequenzen und des Umstands, daß er sich freiwillig in diese Spiel-Situation begab, wäre es sinnvoller seine Entscheidungsfreiheit nur bis zu einer gewissen Grenze auszunutzen, alleine schon um seine Rolle glaubhaft darzustellen.

Schließlich bietet man zumeist ein gewisses Szenario an und die Spieler lassen sich mit ihrer Anmeldung darauf ein. Ich fand es schon immer seltsam auf Spieler zu treffen, die garnicht wußten warum sie in eine gewisse Situation “hineingereist” sind. Je prekärer die Situation vor Ort und je offensichtlicher diese auch in der Anmeldung geschildert war, desto absurder wird der Umstand. Wir wünschen uns Spieler, die ihren Charakter mit all seinen Eigenheiten ausspielen, aber in Reaktion auf das gegebene Umfeld und passend zur lokalen Situation. Um dies zu fördern werden wir Ambiente-NSCs aufstellen, die den “Lokalkolorit” portieren sollen. Ich verstehe das auch viel weniger als Zwang, denn als angebotenes Spielpotenzial, zumal man natürlich nur soweit auf die NSCs zu gehen muss, wie der eigene Charakter es für angemessen hält.

Nochmal ein allgemeines Beispiel dazu:
Wenn ein Barde und seine friedfertigen Freunde in einem Kriegsszenario ihre Umgebung völlig ignorieren und einfach nur grillen und feiern, halte ich dies für deplatziert, es stört sogar die Atmosphäre für alle anderen, die sich auf die Umstände einlassen wollen.
Unterstützt diese Gruppe von Feiercharakteren aber nach Kräften die Verteidiger ihres Lagers und der Barde spielt auf in einer Kampfpause, intime verpackt nach dem Motto “um die Moral der Truppe zu heben”, so haben auch sie einen zum Szenario und zu ihren Charakteren passenden Platz auf dem Beispiel-Schlachtencon gefunden.

Eine solche “Idealsituation und -reaktion” zu schaffen liegt natürlich weitestgehend nicht in der Hand der Orga / SL, die nur den Rahmen dafür schaffen kann und sich dann auf die Klasse ihrer Spieler verlassen muss.

Weitere Betrachtungen unserer Conphilosophie folgen – während der dazu passenden Tagebucheinträge – fürs Erste kommen wir zum Ende, beschränken uns auf den groben Rahmen.

Vorläufiges Fazit:

–  omnipotente SLs in Bezug auf den Plot
– ein möglichst offener Plot mit viel Entscheidungsfreiheit
– Ortsansässige (NSC / GSC), um die Eigenheiten des Landes wie auch des Szenarios darzustellen
– ein forderndes Umfeld schaffen, um Charakterspiel zu “provozieren” (im positiven Sinne)

Wir befinden uns im ersten echten Planungsmonat unseres Cons. Wir bemühen uns um eine Vorkalkulation der Kosten, ringen noch mit dem “Wann & Wo” und ich schreibe an einer Plot- und Hintergrundübersicht zur Diskussion mit der gesamten Orga / SL. Bald richte ich auf dem Blog eine Sektion für das Con ein, die Informationen und Links zur Veranstaltung sammelt – und weiterhin auf die Webseite und das Forum unserer Orga verweist, sobald beides ein vorzeigbares Stadium erreicht hat.

Also, bis zum nächsten Tagebucheintrag, die Arbeit ruft!

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